150 Jahre Enztalbahn
2018 ist die Enztalbahn 150 Jahre.
Zur Geschichte der Enztalbahn, auch Enzbahn genannt, gibt es folgendes zu berichten:
Die Bemühungen des Königreichs Württemberg zum Bau einer Eisenbahnstrecke nach Wildbad reichen bis in die 1850er Jahre zurück. Bereits beim Bau der Württembergischen Westbahn von Stuttgart nach Bruchsal sowie dem Bau der Anschlussstrecke von Karlsruhe über Pforzheim nach Mühlacker durch die Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen wurde die Möglichkeit eines Bahnbaus ins Enztal berücksichtigt. Grund für diese vergleichsweise frühen Planungen war in erster Linie die damalige Bedeutung Bad Wildbads als bevorzugtes Kurbad der württembergischen Könige. Durch den Bau der Eisenbahnstrecke sollte den adligen Herrschaften die Anreise so angenehm wie möglich gemacht und die Bedeutung Wildbads als mondäner Kurort gefördert werden.
Schwierigkeiten bereitete jedoch die Tatsache, dass, damals aufgrund des technischen Entwicklungsstands der Eisenbahn die Bahn im Enztal nur über das badische Pforzheim führen konnte, so dass der Bau der Enztalbahn in einem Staatsvertrag zwischen dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Baden geregelt werden musste. Württemberg sicherte sich darin das Recht, die Enz- und Nagoldtalbahnen im Bahnhof von Pforzheim an die 1863 fertiggestellte Bahnstrecke Karlsruhe – Mühlacker anschließen zu dürfen, die ihrerseits in Mühlacker Anschluss an die Westbahn nach Stuttgart hatte. So hatte die württembergische Regierung bereits am 26. April 1858 zwei Gesetzesentwürfe eingebracht, die den Bau der Bahnstrecke von Pforzheim nach Wildbad sichern sollten. Dieser wurde am 17. November im Jahre 1865 dann durch Gesetz beschlossen. Die Bauarbeiten wurden im Jahre 1865 unter der Leitung von Carl Julius Abel begonnen. Die Königlich Württembergische Staats-Eisenbahn errichteten dabei in Pforzheim einen eigenen Flügelbahnhof südwestlich der Anlagen der Badischen Staatsbahnen. Bei den Bauarbeiten wurde gleichzeitig auch auf die bereits geplante Nagoldtalbahn von Pforzheim nach Caw Rücksicht genommen, indem der Bahnkörper für zwei Gleise hergerichtet wurde, wobei das nördliche der Enz- und das südliche der Nagoldtalbahn dienen sollten.
Königlich Württembergische Staats-Eisenbahnen (1868 – 1919)
Am 11. Juni 1868 wurde die Enztalbahn eröffnet, nachdem bereits zwei Monate zuvor mehrere Probefahrten stattgefunden hatten. Zunächst war sie vom übrigen Streckennetz der Württembergischen Staatsbahnen isoliert: Reisende von Stuttgart nach Wildbad mussten zwischen Mühlacker und Pforzheim die Züge der Großherzoglich Badischen Staatsbahnen benutzen. Erst nach Eröffnung der Nagoldtalbahn im Jahre 1874 ergab sich eine alternative Verbindung von Stuttgart über Weil der Stadt, Calw und Brötzingen nach Wildbad. Diese gegenüber der Fahrt verkehrsmäßig und topografisch wesentlich ungünstigere Verbindung hatte aus württembbergischer Sicht den Vorteil, dass ausschließlich württembergische Eisenbahnstrecken befahren werden mussten, wenngleich in und um Brötzingen für wenige Kilometer badisches Territorium berührt wurde. Zur Erleichterung dieser Fahrten wurde eine Verbindungskurve zwischen Enz- und Nagoldtalbahn unter Umgehung des Brötzinger Bahnhofs gebaut, sie Wurde später Königskurve beziehungsweise württembergische Königskurve genannt.
In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens entwickelte sich der Verkehr auf der Enztalbahn sehr positiv, mehrereprominente Kurgäste, so beispielsweise 1903 die damalige niederländische Königin Wilhelmina, reiste eigens mir der Bahn zur Kur nach Wildbad. Neben dem Personenverkehr nach Wildbad, für den zeitweise sogar Schnellzüge eingesetzt wurden, entwickelte sich der Güterverkehr zum zweiten Standbein der Strecke. Vor allem der Transport von Holz und Holzproduktentrugen hierzu bei. Wichtigste Kunden im Güterverkehr waren jahrzehntelang das Sägewerk Krauth & Co. am ehemaligen Bahnhof Rotenbach, zeitweise größtes Sägewerk Württembergs, sowie der Holzlagerplatz im Eyachtal.
Deutsche Reichsbahn (1920 – 1949)
Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die neu gegründete Deutsche Reichsbahn die Strecke, die sie der Direktion Karlsruhe unterstellte. Die Jahre der Enztalbahn unter der Reichsbahn waren vor allem durch viele Stationsumbenennungen geprägt. Aus Brötzingen wurde Pforzheim-Brötzingen usw.
in den dreißiger Jahren veranstaltete die nationalsozilistische Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) an Wochenenden mehrere Ausflugsfahrten nach Wildbad. Außerdem erhielt der Halt „Neuenbürg Stadt“ eine Zulassung für die Auslieferung von Gepäck.
Aufgrund der Tatsache, dass die Enztalbahn im Gegensatz zu anderen Schwarzwaldstrecken keine Verbindungsbahn darstellte und auch keine keine militärische Bedeutung besaß, blieb sie während des Zweiten Weltkriegs von Kampfhandlungen weitgehend verschont. Versuche, die Brücke bei Neuenbürg zu bombadieren, verfehlten ihr Ziel und schlugen stattdessen auf demnaheliegenden Schlossberg ein.
nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb auf der Enztalbahn bereits am 10 Juli 1945 wieder aufgenommen.
Deutsche Bundesbahn und Deutsche Bahn AG (1949 – 2002)
Die Strecke verlor in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. Gründe hierfür waren die größer werdende Konkurrenz durch den PKW- und LKW-Verkehr, der Rückgang des traditionellen Touristikverkehrs nach Wilbad sowie die Aufgabe wichtiger Gewerbebetriebe wie zum Beispiel des Sägewerkes Krauth & Co.
Zwar versuchte die Deutsche Bundesbahn durch den Einsatz von Schienenbussen und Diesellokomotiven als Ersatz für den Dampfbetrieb ab 1962 entgegenzusteuern, doch konnte sie denBedeutungsverlust nicht aufhalten. Zur Rationalisierung wurden 1976 die Stellwerke in Neuenbürg und Bad Wildbad durch moderne Anlagen ersetzt und anschließend die Bahnhöfe von Nirkenfeld, Höfen und Calmbach zu Haltepunkten herabgestuft, sodass unterwegs nur noch in Neuenbürg Zugkreuzungen möglich waren.
Der Rückgang des Bäderverkehrs nach Bad Wildbad führte zu einer Aufgabe der Schnellzuverbindungen. Der Verlust des Güterverkehrs sowie die geringen Fahrgastzahlen führten dazu, dass die Strecke von der Stillegung bedroht war.
Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (seit 2002)
Durch die Initiative der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft ergaben sich neue Perspektiven für die Strecke. Nach dem Vorbild der benachbarten Albtalbahn von Karlsruhe nach Bad Herrenalb schlug sie ab März 1995 die Einführung eines Stadtbahnbetriebes vor. Zur Attraktivitätssteigerung sollte die Strecke in Bad Wildbad bis zum Kurpark verlängert werden.
Mit der politischen Unterstützung des Landes Baden-Württemberg und der anliegenden Kommunen und Land-kreise konnte die AVG die Strecke am 1. Januar 200 langfristig für eine Dauer von 25 Jahren von der Deutschen Bahn AG pachten. Der Umbau zur Stadtbahnstrecke konnte beginnen. Der Umfang der Umbauten beinhaltete die Modernisierung der Gleisanlagen, die Elektrifizierungder Strecke, den Umbau des Bahnhofs in Brötzingen.
Es wurden neue Haltepunkte eingerichtet: Brötzingen-Sandweg, Brötzingen-Wohnlichstraße, Neuenbürg Freibad, Rotenbach, Eyachbrücke, Höfen Nord,Calmbach Süd und Bad WildbadNord.
Im Bahnhof Calmbach wurde eine Ausweichmöglichkeit eingerichtet sowie neue Signalanlagen installiert.
Darüber Hinaus wurde die Strecke in Bad Wilbad bis zum Kurpark verlängert. Dieser Abschnitt wurde aufgrund der beengten Platzverhältnisse als Straßenbahnstrecke ausgelegt und mit 750 Volt Gleichstromelektrifiziert. Die Strecke zwischen Pforzheim und Bad Wildbad Bahnhof wurde wie die Strecken der Deutschen Bahn AG mit Wechselstrom 15.000 Volt, 16,7 Hz versehen. Daher können auf dem letzten Abschnitt nur Zweisystemstadt- bahnwagen zum Einsatz kommen.
Die Baukosten des Stadtbahnausbaus bezifferten sich auf insgesamt 59,9 Millionen Deutsche Mark.
Der Stadtbahnbetrieb wurde in zwei Etappen eröffnet:
– am 14. Dezember 2002 der Verkehr zwischen Pforzheim und Bad Wildbad Bahnhof und
– am 4. Oktober 2003 die Verlängerung bis zum Kurpark.
Die Enztalbahn ist als S 6 in das Karlsruher Stadtbahnnetz integriert. Der Personenverkehr wird mit Zweisystem-Stadtbahnwagen der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft bewältigt. Einige Züge sind in Pforzheim mit der Stadtbahnlinie S 5 verknüpft und verkehren weiter über Karlsruhe nach Wörth am Rhein oder nach Bietigheim- Bissingen, wobei dann entsprechend die Liniennummern gewechselt werden.
Seit 2003 fährt an einigen Sonntagen im Sommerhalbjahr der sogenannte „Enztäler Freizeitexpress“ von Stuttgart bis zum Bad Wildbader Bahnhof und zurück. Eingesetzt wird hierfür ein historischer Triewagen der Baureihe ET 25.
Regelmäßiger Güterverkehr findez auf der Enztalbahn nicht mehr statt.
Fahrzeugeinsatz
Bis 1962 kamen auf der Strecke Dampflokomotiven zum Einsatz, danach wurden sie von Uedinger Schienenbussen und Diesellokomotiven der Baureihe V 100 abgelöst. 1988 wurden die lokbespannten Züge durch Dieseltriebwagen der DB-Baureihe 628 ersetzt, die sann 1993 den gesamten Personenverkehr übernahmen. Seit Ende 2002 verkehren auf der Strecke die Zweisystem-Stadtbahnwagen der Typen GT8-100C/2S und GT8-100D/2S-M.
Zwischenstationen
Zugkreuzungen sind in den Bahnhöfen Neuenbürg, Calmbach und Bad Wildbad möglich. Die Haltepunkte Rotenbach und Höfen an der Enz Nord verfügen über Bahnsteige, die nur 20 Meter lang sind, da das dortige Fahrgastpotential sehr gering ist.
Die Quelle dieses Berichtes ist aus der Wikipedia der freien Enzuyklopädie entnommen.